header

Reaktion auf den Volkszorn

In den arabischen Ländern wächst die Unterstützung für die Intifada. Die Arabische Liga verhärtet nun ihre Positionen gegenüber den Israelis

von ABDUL HUSSEINI

"Konsequente arabische Antwort auf israelische Eskalation: Schluss mit den politischen Kontakten, Unterstützung für die Fortsetzung der Intifada." Auf ihrer Titelseite bejubelt die in London erscheinende saudische Zeitung al-Hayat die Vorschläge der arabischen Liga vom Samstag. Mit ihrer eilig einberaumten Sondersitzung hatten arabische Außenminister in Kairo auf den massiven Einsatz der israelischen Luftwaffe in den palästinensischen Autonomiegebieten am Wochenende reagiert. Es war die erste Sitzung der Arabischen Liga unter der Leitung des bisherigen ägyptischen Außenministers Amr Mussa.

Palästinenserpräsident Jassir Arafat hatte dort angekündigt, die Intifada werde fortgesetzt. "Wir werden nicht aufgeben, und mit Gottes Willen werden wir weitermachen, bis wir alle zusammen in der al-Aksa-Moschee beten können." Ägyptens Präsident Husni Mubarak hatte das Vorgehen der Israelis als "unglaublichen Vorgang" bezeichnet. "Wie kann man das Werfen von Steinen und Mörsergranatenattacken mit dem Einsatz der F-16 beantworten, einem Flugzeug, das für die Landesverteidigung gedacht ist?", hatte Mubarak am Sonntag vor der Presse gesagt.

Dass die Außenminister so schnell auf Israels Beschuss vom Freitag reagiert haben, zeigt, dass sie in ihren Ländern unter Druck stehen. Denn in den arabischen Ländern kocht die Volksseele. Die Solidarität mit den Palästinensern wird täglich auch durch die modernen Massenmedien, die inzwischen die arabische Welt erobert haben, genährt. Die Zuschauer zwischen Marokko und Katar bekommen die Bilder der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis live vorgeführt.

Die Solidarität der arabischen Massen mit den Palästinensern nimmt angesichts dessen ständig zu. Fast täglich finden seit Oktober vergangenen Jahres in den arabischen Ländern antiisraelische Demonstrationen statt. Die arabische Straße fordert einen harten Kurs gegen Israel. Die Versuche der arabischen Regierungen, die Protestaktionen zu verbieten, wie in Jordanien, haben bisher nicht den erwünschten Erfolg erreicht. Deshalb bleibt den Monarchen und Präsidenten nichts anderes übrig, als sich den Forderungen der Massen anzupassen.

Diese Entwicklung hat sich besonders nach der Wahl Ariel Scharons zum israelischen Ministerpräsidenten und nach dem totalen Zusammenbruch des Friedensprozesses verstärkt. Der Rückzug der USA aus den Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern hat die Position besonders der Regierungen in Amman und Kairo, die einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen haben und bisher einen Abbruch der Beziehungen zu diesem Land ablehnten, geschwächt.

Saudi-Arabien, der Hauptverbündete der USA in der arabischen Welt, ist sehr verärgert über die Rolle der USA im Nahostkonflikt. Demonstrativ hat kürzlich der saudische Kronprinz Abdullah eine Einladung des Präsidenten Bush abgelehnt. Damit er ihm die Ehre erweise, müsse Bush "die israelische Aggression gegen das palästinensische Volk beenden", lautete die Begründung.

Für diese Haltung erntete Abdullah Beifall aus allen politischen Lagern der arabischen Welt. Denn dort entsteht allmählich eine antiisraelische und antiamerikanische Front.

Diese dramatische Verhärtung der Positionen kann verheerende Folgen für die gesamte Region haben. Die Regierung Scharon ließ bisher nicht den winzigsten Raum für die politischen Bemühungen der arabischen Länder, die mit Israel Frieden geschlossen haben. So reagierte sie sehr zurückhaltend auf die jordanisch-ägyptische Initiative, die mindestens zur Beruhigung der Lage geführt hätte. Diese Initiative forderte - wie auch der kürzlich vorgestellte Mitchell-Bericht - eine Einstellung des israelischen Siedlungsbaus. Der Nahostkonflikt könne "zu einer Katastrophe führen", warnte Ägyptens Präsident Mubarak am Sonntag. Wenn sich der politische Brand in den besetzten Gebieten auf die ganze Region ausdehnt, könnte der israelisch-palästinensische Konflikt wieder die Form einer israelisch-arabischen und israelisch-islamischen Konfrontation annehmen. Und das ginge dann auch die westliche Welt etwas an.

veröffentlicht in der taz Nr. 6451 vom 21.5.2001, Seite 3, 141 TAZ-Bericht, ABDUL HUSSEINI

(c) Dr. Abdel Mottaleb El Husseini