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Palästina im Spiegel deutscher Pilger, Reisender und Orientforscher vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts III

Abdul M. Husseini

Die Palästinaforschung in Deutschland von der Renaissance bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts war Gegenstand der vorhergehenden Artikel dieser Reihe. Dabei wurden die Pionierleistungen des deutschen Reisenden und Orientforschers Carsten Niebuhr bei der Schaffung der Grundlagen einer objektiven Erforschung des Orients im allgemeinen und Palästinas im besonderen umfassend dargestellt, in ihrem historischen Wert gewürdigt und als Ausdruck des Aufschwunges der orientalischen Studien im Deutschland des 18. Jahrhunderts begriffen. Die weitere Entwicklung der deutschen Palästinaforschung vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des ersten Weltkrieges wird Thema dieser Folge und der kommenden Beiträge sein.

In diesem Artikel wird der Versuch unternommen, erstens die Bedeutung des Vorstoßes Napoleons nach Ägypten und Palästina in den Jahren 1798-99 für die weitere Entwicklung der deutschen Palästinaforschung zu analysieren, zweitens die Besonderheiten der deutschen Orientalistik kurz zusammenzufassen und drittens den Lebensweg des deutschen Reisenden und Orientforschers Ulrich Jasper Seetzen (1767-1811) darzustellen und seine Verdienste und Leistungen bei der Erforschung Arabiens und Palästinas zu Beginn des 19. Jahrhunderts hervorzuheben.

Napoleonisches Abenteuer im Orient

Wenn bisher das Bild Palästinas in Europa von Pilgern, Reisenden und Philologen bestimmt war, so änderte sich dieser Zustand Anfang des 19. Jahrhunderts radikal. Eine qualitativ neue Phase der Beschäftigung mit dem Orient und besonders mit Palästina angesichts seiner zentralen geographischen, historischen und religiösen Bedeutung bahnte sich an. Sie wurde durch die napoleonische Expedition 1798 nach Ägypten eingeleitet.

Die Folgen dieses Abenteuers für die Änderung des Verhältnisses zwischen Abend- und Morgenland einerseits und für die sprunghafte Entwicklung der europäischen Kenntnisse über Palästina andererseits sind in dreierlei Hinsicht zu interpretieren:

Erstens griff mit Napoleon zum ersten Mal nach den Kreuzzügen eine europäische Macht militärisch direkt im osmanischen Reich ein und zwar im Herzen dieses Reiches. Damit wurde der Orient nicht nur ein Objekt europäischer kolonialer Ambitionen, sondern auch zum Schauplatz der europäischen militärischen Auseinandersetzungen. So entstand die sog. Orientalische Frage, die im 19. Jahrhundert einen zentralen Platz in der intereuropäischen Politik bis zum Zusammenbruch des Osmanischen Reiches infolge des 1. Weltkrieges einnahm.

Der Kampf um das Erbe des "Kranken Mannes am Bosporus" zwischen den europäischen Mächten wurde von Napoleon mit einem hohem Maß an Expansion und Aggressivität eröffnet. "Denn", wie Edward Said schreibt, "mit Napoleons Besetzung Ägyptens wurden Prozesse zwischen Ost und West in Bewegung gesetzt, die noch immer unsere gegenwärtige kulturelle und politischen Perspektive bestimmen." (1)

Zweitens machte die Expedition Napoleons eine grundlegende und umfassende Erforschung aller geographischen, religiösen, politischen, kulturellen und sozialen Gegebenheiten zu einer Notwendigkeit der sich entwickelnden kolonialen Politik. Das daraus resultierende Wissen sollte auch dazu dienen, die kolonialen Ziele in den europäischen Ländern zu legitimieren. Auf der anderen Seite bewirkten die Ergebnisse der Feldforschungen während der Expedition einen Aufschwung der orientalischen Studien in Europa, vor allem in Deutschland. "Und die napoleonische Expedition mit ihrem großen kollektiven Monument der Gelehrsamkeit, der Description de l'Égypte, gab dem Orientalismus eine Szene oder einen Ort, da Ägypten und nachfolgend die anderen islamischen Länder als das lebende Gebiet, das Laboratorium und das Theater der effektiven wertlichen Kenntnis des Orients angesehen wurde." (2)

Die Religion - Mittel des europäischen Kolonialismus

Drittens war die gescheiterte Expedition Napoleons ein Ausgangspunkt für grundlegende politische Veränderungen im Orient selbst. Die türkische Herrschaft geriet in eine umfassende und tiefe politische Krise. Die Autorität des Sultans wurde durch die Unabhängigkeitsbestrebungen seiner Statthalter in den verschiedenen Provinzen des Reiches erschüttert. Die ägyptische Besetzung ganz Syriens von 1831 bis 1840 brachte diese dramatische Entwicklung zum Ausdruck. Die zentrale Herrschaft von Konstantinopel war damit aus eigenen Kräften nicht mehr zu halten. Die Ausdehnung der europäischen Rivalitäten in der Levante auf die nicht-islamischen Religionsgemeinschaften sollte im 19. Jahrhundert den Zündstoff für viele blutige Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppierungen im multinationalen Osmanischen Reich geben. Die Hervorhebung der Unterschiede zwischen den Religionsgemeinschaften in Palästina und im ganzen Orient wurde zum bestimmenden Moment des Herangehens europäischer Orientforscher bei ihren Analysen der politischen und gesellschaftlichen Prozesse in der Region. In den meisten Reiseberichten wird die religiöse Zugehörigkeit der Menschen im Orient in den Vordergrund gerückt.

Die Palästinaforschung entwickelte sich aufgrund der oben beschriebenen Entwicklung in enger Verbindung mit und in Abhängigkeit von den kolonialen Interessen, die im Nahen Osten unter dem Deckmantel des Schutzes christlicher Religionsgemeinschaften in Erscheinung traten. Diese Entwicklung vollzog sich jedoch etappenweise im Prozeß der politischen, gesellschaftlichen und geistigen Veränderungen in Europa, die im Zuge der Etablierung neuer politischer Strukturen auf den Trümmern des Feudalismus und infolge der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise auf ökonomischer Ebene eine neue Betrachtungsweise des Verhältnisses zum Orient schufen. Galt bisher das Interesse der europäischen Orientforscher ausschließlich den für das Christentum bedeutenden Stätten und Ortschaften Palästinas, "so blieb der größte Teil des Heiligen Landes vom wissenschaftlichen Standpunkt aus weitgehend terra incognita." (3)

Wissen im Dienste der Politik

Dieser Zustand änderte sich Anfang des 19. Jahrhunderts entscheidend. Die europäische Erforschung Palästinas nahm quantitativ und qualitativ zu. "Zwischen 1800 und 1878 besuchen nach Schätzungen des Geographen Reinhold Röhricht etwa zweitausend Autoren von Reiseberichten das Heilige Land. Die Zahl ihrer Veröffentlichungen beläuft sich auf mehr als fünftausend. Zu ihrer Zeit sind sie beliebter und weitverbreiteter Lesestoff gebildeter Bürger. Wenn auch oft nicht objektiv, stellen diese Reiseberichte eine wichtige Quelle zur Kenntnis Palästinas im 18. und 19. Jahrhundert dar."(4)

Die deutsche Orientalistik, die im vorigen Jahrhundert die Impulse und die Richtung der wissenschaftlichen Erforschung Palästinas vorgab, profitierte nun von den Erfahrungen der Engländer und Franzosen. Sie konnte sich eine führende Rolle auf diesem Gebiet sichern. Doch diese Tatsache ändert nichts daran, daß sich die deutsche Orientforschung bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wesentlich von Ihresgleichen in Europa unterscheidet. Es ist wohlbekannt, welchen Einfluß Volney beispielsweise auf Napoleon bei der Formulierung und Ausarbeitung seiner Expedition nach Ägypten ausübte. Das Wissen des Orientforschers stand in diesem wie in anderen Fällen immer im Dienste der Politik, sowohl in Frankreich als auch in England oder Rußland.

Deutsche Orientalistik und Politik

Das Verhältnis der Orientalistik zur Politik war ein anderes in Deutschland. Denn "niemals konnte sich jedoch in der deutschen Wissenschaft während der ersten beiden Drittel des 19. Jahrhunderts ein enges Zusammenspiel zwischen den Orientalisten und einem langwierigen, anhaltenden nationalen Interesse am Orient entwickeln. Es gab nichts in Deutschland, das mit der anglo-französischen Präsenz in Indien, dem Nahen Osten, Nordafrika korrespondierte. Darüberhinaus war der deutsche Orient fast ausschließlich ein wissenschaftlicher oder zumindest ein klassischer Orient; er wurde Thema der Lyrik, von Phantasien und selbst von Romanen, aber er war niemals in der Weise aktuell, in der Ägypten und Syrien für Chateuabriand, Lane, Lamartine, Burton, Disraeli der Nerval aktuell waren. Die Tatsache scheint bedeutend, daß die beiden bekanntesten deutschen Werke über den Orient, Goethes West-Östlicher Diwan und Friedrich Schlegel über die Sprache und Weisheit der Inder, auf einer Rheinfahrt bzw. durch Studien in Pariser Bibliotheken entstanden. Die deutsche orientalische Wissenschaft konnte Techniken entwickeln und verfeinern, deren Anwendung Texten, Mythen, Ideen und Sprachen galt, die fast wörtlich durch das imperiale Großbritannien und Frankreich im Orient gesammelt wurden." (5)

Ulrich Jasper Seetzen

Auf dem Gebiet der Orientalistik entwickelte sich die Universität Göttingen, wie wir im vorigen Beitrag sahen, zum Anziehungspunkt aller Gelehrten, die sich nicht nur für Philologie und Bibelforschung, sondern auch für andere Wissenschaften wie Geographie, Naturgeschichte usw. interessierten. Deshalb ist war es kein Zufall, daß die zweite deutsche wissenschaftliche Expedition zur Erforschung des Orients und Palästinas von Göttingen aus startete. Die Erfolge der Reise von Carsten Niebuhr, deren Resultate in den Jahren 1772-78 veröffentlicht wurden, faszinierten den jungen Medizinstudenten Ulrich Jasper Seetzen, der im Herbst 1785 sein Studium an der Göttinger Universität aufnahm. Niebuhr diente Seetzen als Vorbild und als Ratgeber, wie wir später sehen werden. Doch die Erforschung Palästinas war in dieser Periode nicht nur in Deutschland, sondern auch, ausgehend von seinen politischen Interessen in der Levante, in Frankreich und England sehr fortgeschritten. "Die berühmten Reisenden Volney (1783-1785), Choiseul (1784) und Lechevalier (1785-86), die Syrien, Palästina, Griechenland und Kleinasien bereisten, gaben den geographischen Wissenschaften ein ganz neues Ansehen. Es entstand die komparative Geographie und der Mittelpunkt aller dieser Bestrebungen war Göttingen, und in dieser damals so glänzenden Universitäts-Stadt wirkten besonders Heyne, Michaelis und Blumenbach, der erstere als Repräsentant der alten durch neue Entdeckungen zu bereichernden Geographie, der andere als Beförderer alles dessen, was auf die heilige Geschichte von Einfluß ist, und der dritte ein Enthusiast für naturhistorische Entdeckungen."(6)

Diese wissenschaftliche Atmosphäre in der Universität Göttingen trug dazu bei, das Reisefieber des Medizinstudenten Seetzen zu erhöhen. Sie war erweckte seine wissenschaftliche Neugier und Reiselust. Aber bevor wir die von Seetzen in seinen Tagebüchern festgehaltenen, inhaltsreichen Bilder von Palästina vom Staub befreien, fühlen wir uns verpflichtet, die Aufmerksamkeit auf Leben, Werk und Arbeitsweise des Reisenden, die ungerechterweise in Vergessenheit geraten sind, zu lenken. Dies scheint uns vor allem deshalb wichtig, weil Seetzen sein ganzes Lebensglück auf seine Orientreisen setzte, auf denen er schließlich sein Leben verlor.

Als Sohn eines Landwirtes wurde Seetzen am 30. Januar 1767 in Sophiengroden, Kirchspiel Middoge in der Herrschaft Jever geboren. Seine Eltern waren bemüht, ihm eine gute Bildung zu verschaffen.(7) Deshalb konnte er im Herbst 1785 das Medizinstudium an der Göttinger Universität aufnehmen. Große Neigung hatte er jedoch nicht zur medizinischen Praxis, sondern er bevorzugte die Beschäftigung mit seinen Lieblingsfächern, der Naturgeschichte und der Technologie. Dies erklärt sein frühes Interesse für Forschungsreisen, von denen er zahlreiche in Deutschland unternahm. Wichtig für unsere Problematik ist die Tatsache, daß Seetzen sich durch seien Arztberuf bessere Kontaktmöglichkeiten zu einer großen Zahl von Menschen und zwar aus den verschiedenen sozialen Schichten Palästinas und im ganzen Orient sicherte. Um den Menschen noch näher zu kommen und bessere Voraussetzungen für den Erfolg seiner wissenschaftlichen Forschungen im Morgenland zu schaffen, trat Seetzen zum Islam über. Er reiste unter dem Namen Scheich Musa. Er konnte als Pilger in Mekka im Herbst des Jahres 1809 einen genauen Plan der Kaaba anfertigen. Über seinen Übertritt zum Islam schrieb er später: "Als Mohammedaner werde ich den Koran mit mir führen, und alle religiösen Vorschriften desselben auf das genauste befolgen, als Fetischendiener werde ich mich mit Amuletten behängen. Bei diesem offenen Geständnisse glaube ich in den Augen der Aufgeklärten meinen Charakter nicht zu beflecken, und in ihren, mir so schätzbaren, Achtung zu verlieren, in dem sie nur zu gut Ceremonien von einer guten Moralität, die Schale vom Kerne zu unterscheiden wissen."(8)

"...daß die Orientalen eben sowohl Menschen sind"

Doch bevor er sein Reiseziel erreichte, begab sich Seetzen am 13. Juni 1802 nach Gotha. Seine Ausrüstung bestand an erster Stelle aus einer Paulusschen? Karte von Palästina und aus einigen Meßgeräten. In Gotha lernte Seetzen in sehr kurzer Zeit die astronomische Ortsbestimmung.(9) Er erhielt auch dort vom Erbprinz August von Gotha den Auftrag "für 800 Ruther jährlich an Alterthümern und naturhistorischen Gegenständen für ihn anzuschaffen, wodurch in der Folge das Orientalische Museum in Gotha gebildet wurde".(10) Auf Vorschlag von Carsten Niebuhr hielt sich Seetzen von November 1803 ein Jahr in Aleppo auf, wo er seine arabischen Sprachkenntnisse vervollkommnete. Dieser Aufenthalt half ihm, Angst und Mißtrauen gegenüber den Orientalen abzubauen und wertvolle Erfahrungen für seine weitere Reise zu sammeln. Er schreibt: "Ich finde die hiesigen Einwohner eben so gesittet, wie in Constantinopel, und ich habe nie die geringste Ursache, über sie zu klagen. Meine Begierde, Arabien und Afrika zu bereisen, ist eher noch vermehrt als vermindert worden, indem ich täglich finde, daß die Orientalen eben sowohl Menschen sind, als wir, und daß man bei gehöriger Vorsicht von ihnen nichts zu fürchten hat."(11)

Während seiner Reise, die in der Tat eine Einmann-Expedition war, durchstreifte er alle Länder Arabiens: Syrien, Palästina, Phönizien, die Transjordanländer, Jemen, Ägypten, Mekka etc. Seetzen wurde 1811 auf der Reise von Mokka nach Sana'a im Jemen von Räubern überfallen und getötet. Die Ergebnisse seiner Forschungen waren umfangreich und umfassend. Er interessierte sich für alles, was er sah. Er beschrieb die natürlichen Gegebenheiten, das Klima, die Tierwelt in den Ländern des Orients. Im Mittelpunkt seiner Beobachtungen standen die Menschen, zu denen er enge Kontakte knüpfen konnte. Das politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Leben werden kritisch und sachlich geschildert. Für die Gothaer Sammlung schickte Seetzen u.a. 2.000 arabische, persische, armenische, syrische und türkische Handschriften und Werke.(12) Eine große Menge von Pflanzen, Amphibien, Muscheln, Mineralien und Kunstsachen sollten Natur, Lebewesen und Produkte der Menschen in Palästina konkret veranschaulichen.

Seetzen hielt sich vom April 1806 bis März 1807 in Palästina auf. Er durchstreifte in dieser Zeit zahlreiche Städte, Dörfer und Ortschaften, die für die alte Geographie als nicht erschlossen galten. Geschichte und damalige Gegenwart des Heiligen Landes interessierten ihn sehr. Durch die Kopierung von Inschriften aus dem Lateinischen, Arabischen, Assyrischen hielt Seetzen historische Zeugnisse über die Vergangenheit Palästinas fest. Gleichzeitig beschrieb er mit außerordentlicher Genauigkeit die Sitten, Gebräuche, Lebensweise, Kleidung und Mundarten in den von ihm bereisten Städten und Dörfern Palästinas.

Auf dem Rücken von schwankenden Kamelen

Seetzen ist einer der wenigen europäischen Orientforscher, der genaue Tagebücher während seiner Reise geführt hat. Er notierte alles, was zum Objekt seiner Beobachtung gehörte, und dies geschah überall, wo er sich befand. "Die Tagebücher sind nämlich zum großen Teil während des Marsches selbst von dem Reisenden im Gehen oder auf dem Rücken von schwankenden Kamelen mit der Bleifeder, ja sogar stellenweise mit einer zugespitzten Flintenkugel niedergeschrieben, und diese Schrift ist durch die Länge der Zeit, durch Flüchtigkeit und Stockflecken so verlöscht, daß ihre Entzifferung nur mit der größten Mühe unter Benutzung mannigfacher Hilfsmittel möglich war."(13) Seetzen bemühte sich trotz dieser außerordentlichen schwierigen Bedingungen, seine Tagebücher reizvoll, lebendig und zugleich objektiv zu gestalten. Er wollte damit nicht nur das spezialisierte, sondern auch das breite Publikum erreichen. Der Preis für die Verwirklichung seines Zieles sollte keinesfalls das Verlassen des Bodens der Wahrheit sein. Denn "der Reisende muß indes bei der Schilderung seiner Begebenheiten nie die Grenzen der Wahrheit überschreiten, oder die Nachwelt brandmarkt ihm mit unauslöschlicher Schande."(14) Dieses ethische Prinzip, dem Seetzen bei der Verfassung seiner Tagebücher buchstäblich folgte, macht aus den Tagebüchern eine wertvolle, wichtige und zuverlässige historische Quelle der Geschichte Palästinas und des ganzen Orients zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Die Tagebücher Seetzens wurden 30 Jahre nach seinem Tod bearbeitet. Sie erschienen in vier Bänden im Jahre 1854 in Berlin beim Reimer Verlag. Seitdem wurden sie weder weiterbearbeitet noch neu verlegt, obwohl sie von größtem wissenschaftlichen und historischen Wert sind und ihrem literarischen Wert nach ebenfalls eine nicht geringe Bedeutung haben. Der zweite Teil der Tagebücher entstand während des Aufenthaltes des Verfassers zwischen April 1806 und März 1807 in Palästina. Die von ihm reflektierten bunten Bilder von den zahlreichen Städten und Dörfern des Heiligen Landes werden den Inhalt des nächsten Beitrages bilden.

Anmerkungen

1. Edward W. Said: Orientalismus, Frankfurt 1981, S. 52

Die von Alexander Schölch vertretene Auffassung, wonach das Ausgreifen Napoleons von Ägypten nach Palästina (1799) ein ephemeres Ereignis gewesen und ohne Bedeutung für die Entwicklung des Heiligen Landes geblieben sei, ist historisch gesehen nicht belegbar. Denn der Vorstoß Napoleons nach Ägypten stellte eine neue Phase in der Entwicklung des Verhältnisses zwischen den europäischen Mächten und dem Osmanischen Reich dar. Und seine Auswirkungen auf die politische Lage in und um Palästina waren sehr groß. Vgl. H. Mejcher; A. Schölch (Hrsg.): Die Palästina-Frage 1917-1948, Paderborn 1981, S. 13.

2. ebenda, S. 52f.

3. Klaus Polkehn: Palästina. Reisen im 18. und 19. Jahrhundert, Berlin 1986, S. 16

4. ebenda, S. 17; vgl. Maxime Rodinson: Die Faszination des Islams, München 1985, S. 70

5. Edward W. Said: a.a.O., S. 28; über das Verhältnis Goethes zum Orient vgl. auch: Katharina Mommsen: Goethe und die arabische Welt, Frankfurt a.M., 1988

6. Fr. Kruse: Vorrede und Einleitung zu Seetzens Reisetagebüchern in den Orient, in: Ulrich Jasper Seetzen: Reisen durch Syrien, Palästina, Phönizien, die Transjordan-Länder, Arabia Petraea und Unter-Ägypten, Berlin 1854, Bd. 1, S. IV

7. ebenda, S. II; 8. ebenda, S. XXXVII; 9. ebenda, S. XXII; 10. ebenda, S. XVII; 11. ebenda, S. XXVII; 12. ebenda, S. XLIII; 13. ebenda, S. LVIII; 14. ebenda, S. LVI

(c) Dr. Abdel Mottaleb El Husseini