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Kommentar

Die Bagdader Leichenschau

von Abdel Mottaleb El Husseini

Es hätte noch gefehlt, die Köpfe der Söhne Saddams ins Weiße Haus zu schicken und im Büro des Präsidenten Bush als Trophäe aufzuhängen. Dies wäre der endgültige Beweis für den Sieg des Guten über das Böse - und nebenbei auch eine Abschreckung der potentiellen Feinde der US-Weltherrschaft und der Schurken aller Couleur. Die Siegesfreude in den Gesichtern des Präsidenten Bush und seines Verteidigungsministers war kaum zu übersehen. Die öffentliche Zurschaustellung der Leichen der Söhne Saddams soll das irakische Volk vom amerikanischen Sieg überzeugen und den zunehmenden Widerstand der Iraker eindämmen.

Die Leichenschau von besiegten Feinden, die normalerweise zu den Unsitten der unzivilisierten Welt gehört, ist nun auf einmal eine politische Ausdrucksform der amerikanischen Besatzer geworden. Ob dies mit den Normen des Okzidents und mit den Prinzipien des internationalen Rechts in Einklang zu bringen ist, interessiert weder die Politik noch die Medien in den USA. Was für Amerika und England gilt, muss nach dieser Logik nicht unbedingt für die übrige Welt gelten. Noch im letzten Golfkrieges sorgte die Veröffentlichung von Bildern von getöteten amerikanischen und britischen Soldaten – mit Recht – in Washington und London für Empörung. Auch die Menschenwürde von Kriminellen, wie den Söhnen des irakischen Diktators, muss geachtet bleiben. Darin unterscheidet sich eine Demokratie von einer Diktatur. Auch Saddam Hussein hat die Bilder seiner Opfer zur Festigung seines Terrorregimes und als Propagandamittel benutzt. Präsident Bush und Premier Blair haben ihren Irakkrieg mit der Lüge der irakischen Bedrohung gegen den Willen der übrigen Welt begründet. Mit der Veröffentlichung der Bilder von Udai und Kusai haben sie ihren Anspruch, zivilisierter und humaner als das Regime Saddams zu sein, als eine zweite Heuchelei entblößt.

(c) Dr. Abdel Mottaleb El Husseini