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Kommentar

"Wer eine Schule eröffnet, schließt zugleich ein Gefängnis"

Zur aktuellen Diskussion um die König-Fahd-Akademie in Bonn.

"Wer eine Schule eröffnet, schließt zugleich ein Gefängnis." So lautet ein arabisches Sprichwort. Im Falle der Bonner König-Fahd-Akademie scheinen breite Teile der Medien und der Politik dieser Maxime überhaupt nicht zuzustimmen. Die Einrichtung wird als eine "Kaderschmiede des Islamismus", "Brutstätte der Gewalt" oder "Rückzugsgebiet islamischer Fundamentalisten" dargestellt. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Die Schule muss schnell geschlossen werden.

Eine solche Maßnahme wäre völlig legitim, wenn die o.g. Vorwürfe sich als richtig erweisen würden und wenn die Leitung der Schule bewusst Gewalt, Fanatismus und Hass in die Köpfe der Kinder hineintragen würde. Aber so eindeutig ist die Beweislage nicht. Dass es innerhalb des Lehrerkollegiums der König-Fahd-Akademie Islamisten oder Djihadprediger geben könnte, ist nicht auszuschließen. Aber generell ist unvorstellbar, dass die saudischen Behörden, die sich mit Osama Bin Ladin schon vor dem 11. September 2001 in einem offenen Krieg befanden, die Tore der König-Fahd-Akademie für Al-Kaida öffnen.

Die Vorwürfe - vor allem des ARD-Magazins Panorama - sind zudem zu pauschal und ungenau. Die ganze Arbeit der Schule wird undifferenziert unter Generalverdacht gestellt. Die Autoren der Beiträge stützen sich dabei zum größten Teil auf Vermutungen und nicht auf aussagekräftige Beweise. Ihre Darstellung ist polemisch. Die Tatsache, dass es sich hier um eine islamische Einrichtung handelt, hat anscheinend den Redakteuren von Panorama dabei geholfen, einen leichten und schnellen Medienerfolg zu erzielen, ohne sich auf gut recherchierte Tatsachen stützen zu müssen. Ja, man kann heute alles Mögliche über Muslime sagen. Um den Wahrheitsgehalt wird sich niemand kümmern. Das Bild des Islams und der Muslime ist ohnehin extrem negativ.

Diese Umgangsform ist auch bei den Schulbehörden in Nordrhein-Westfalen zu beobachten. Ihre überraschende Entschlossenheit, die Schule auf einmal zu schließen, ist genauso unverständlich wie ihre bisherige Politik des Laissez-faire. Lange Zeit galt die König-Fahd-Akademie offiziell als Vorzeigeobjekt der Stadt Bonn und als Symbol für einen gemäßigten Islam. Fakt ist, dass die Schulbehörde ihre Kontrollpflicht in der Vergangenheit vernachlässigt hat. Ihre jetzige radikale Wende ist jedoch genauso falsch, wie ihre vorherige Gleichgültigkeit. Die umfangreichen Vorwürfe gegen die Akademie müssen sorgsam überprüft werden. Erst dann kann man adäquate Maßnahmen ergreifen. Im Klartext: Der Fall muss nach den üblichen Regeln hierzulande geklärt werden. Eine hastige Schließung der Schule würde das Vertrauen der deutschen Muslime in den Rechtsstaat beschädigen. Sie wäre das beste Geschenk an islamistische Rattenfänger.

(c) Abdel Mottaleb El Husseini