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Kommentar

Der "gute Mensch" aus Palästina und der "Mann des Friedens" aus Israel im Weißen Haus

von Abdel Mottaleb El Husseini

Präsident G.W. Bush ist sehr freizügig, wenn es darum geht, Freunde und Feinde zu betiteln. So bezeichnete er vor einiger Zeit den israelischen Ministerpräsidenten als "Mann des Friedens", nachdem Ariel Scharon den Nahostfriedensprozess buchstäblich völlig zerstört hatte. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas hat während seines ersten und vermutlich letzten Besuches im Weißen Haus das Attribut "guter Mensch" erworben.

Die Ergebnisse der Besuche aus Israel und Palästina beim amerikanischen Präsidenten passen zu den Charakteren und den Bedürfnissen ihrer Vertreter. So bekam Mahmud Abbas ein gutes Zeugnis für seine begonnene Friedensarbeit ausgestellt, die jedoch nur durch die Zerschlagung der palästinensischen Gegner des Friedens aus dem Lager von Hamas und Djihad vollendet werden könne. Der "gute", bescheidene palästinensische Premier, der dem US-Präsidenten sein Amt verdankt, konnte sich zudem über eine Hilfsleistung von 20 Millionen Dollar freuen. Kurze Zeit später wurde er jedoch von dem achten Treffen der Freunde und Verbündeten Ariel Scharon und Bush enttäuscht. Der Wind bläst nicht nach dem Wunsch der Schiffskapitäne, wie das arabische Sprichwort sagt. Der israelische "Mann des Friedens" blieb unnachgiebig. Alle Forderungen der Palästinenser wurden zurückgewiesen. Arafat bleibt in den Ruinen seiner Residenz in Ramallah gefangen. Die "rassistische Mauer", die die palästinensischen Gebiete zerstückelt, wird weiter gebaut. Auch in der Frage der 6000 palästinensischen Gefangenen setzte sich der israelische Ministerpräsident durch. Und schließlich haben Scharon und Bush die Durchsetzung der Road Map von der Entwaffnung und Zerschlagung von Hamas und Djihad abhängig gemacht. Alles in allem scheint der Nahostfriedensplan im Begriff zu sein, von Präsident Bush beerdigt zu werden, in dem er sich vollkommen die Sicht von Ariel Scharon zu eigen macht.

Auf den "guten Menschen" aus Palästina kommen nun harte Zeiten zu, weil seine Begegnung mit dem US-Präsidenten seinem Volk so gut wie nichts gebracht hat. Der von Abbas mit den palästinensischen Organisationen ausgehandelte Waffenstillstand wird in Kürze zusammenbrechen. Die Rückkehr zur Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt scheint leider vorprogrammiert. Verantwortlich dafür ist und bleibt die hegemoniale US-Politik, die die stärkere israelische Seite immer wieder einseitig stärkt. Nur aufgrund dieser Unausgewogenheit können Ariel Scharon als Mann des Friedens und Abbas als guter Politiker bezeichnet werden. Dass hinter diesem Etikettenschwindel der mächtigste Mann der Welt steht, wird nichts daran ändern.

(c) Abdel Mottaleb El Husseini